Geschichte

Tabellarische Kurzchronik der St. Georgskirche

– Simultankirche von 1652 bis 1961

– Kirchenschiff erbaut 1783 -1785 im barocken Stil

– Turm aus dem 15. Jahrhundert, stammt vom Vorgängerbau, der eine Burgkapelle war,
Kuppel 18. Jhdt

– barocker Hochaltar mit modernen Altarbild „Kreuzigung Jesu“

– der rechte ehemalige Seitenaltar (= Marienaltar) befindet sich in der kath. Michaelskirche

– der linke ehemalige Seitenaltar (= St. Sebastian) ist im Stadtmuseum Sulzbach zu sehen, (beide Altäre von Johann Michael Doser 1710)

– hölzerne Doppelempore mit Girlanden, Kränzen und Köpfen bemalt

– spätgotischen Gewölbe mit Renaissancemalerei in der Sakristei

Die St. Georgskirche war ursprünglich eine Burgkapelle, die zur Königsteiner Burg gehörte. Von der Burg führte ein überdachter Holzsteg direkt zur Herrschaftsempore der Kirche, der nur für die adeligen Burgherren vorbehalten war.

Von dieser alten Kirche sind nur noch die unteren Mauern des Turmes erhalten. Sehenswert sind die spätgotischen Gewölbe (um 1480), die mit einer sehr seltenen Malerei verziert sind.  Diese besteht aus feinen Rankenwerk mit Blumen und Vasen. An den Rippen des Gewölbes sind vier Engel mit verschiedenen Leidenswerkzeugen zu sehen, die Mitte bildet das Haupt Christi den Schlussstein. Die Malereien stammen aus der Zeit von 1570 bis 1590, also in einer Zeit, da die Kirche bereits evangelisch war. Die Sakristei wurde deshalb so schön verziert, weil der Raum ursprünglich den Altarraum der früheren Kirche bildete. Auch ein Sakramentshäuschen ist in der Sakristei noch zu sehen.

Von der jetzigen Kirche,die 1785 erbaut wurde, sollen hier nur einige Besonderheiten aufgeführt werden.

Die Kirche war von 1652 bis 1961 Simultankirche. Sie gehörte zu gleichen Teilen der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde. Dies wurde auch an der Einrichtung deutlich. So standen  im Altarraum gleich zwei Taufsteine. Rechts stand ein steinerner Taufstein, der ausschließlich der katholischen Pfarrgemeinde gehörte. Links war der hölzerne evangelische Taufstein platziert, auf dem nur die evangelischen Kinder getauft wurden. Nach der Auflösung des Simultaneums im Jahre 1961 wurde die Kirche völlig neu gestaltet. Die Seitenaltäre, die im Besitz der Katholiken waren, wurden entfernt, ebenso das Kommuniongitter und die Kreuzwegstationen. Alles wurde auf  dem Dachboden des katholischen Pfarrhauses deponiert, da die Gegenstände stilmäßig nicht in die moderne St. Michaelskirche passten. 1987 übergab der katholische Pfarrer Albert Bayer den Sebastiansaltar (ehemaliger linker Seitenaltar), zahlreiche Heiligenfiguren und die Kreuzwegstationen an Sulzbacher Stadtmuseum. Den Marienaltar (ehemaliger rechter Seitenaltar)  ließ er in der Michaelskirche im Altarraum anbringen. Der Unterbau dieses Altares wurde zum rollenden Volksaltar in die Simultankirche Fürnried  für die katholische Pfarrgemeinde entliehen.
So ist die gesamte Inneneinrichtung der ehemaligen Simultankirche St. Georg  im Sulzbacher Gebiet verteilt. Zumindest aber ist es erfreulich, dass sie kirchlich und museal genutzt wird und der Öffentlichkeit zugänglich ist.

In der westlichen Seitenwand der Kirche sind die Grabplatten von Katharina und Balthasar von Breitenstein aus dem 16. Jahrhundert eingemauert, die Schloss Königstein bewohnten. Links ist Katharina zu sehen, die ein langes faltiges Gewand mit einer breiten Halskrause trägt.

Die rechte Grabplatte zeigt Balthasar als Ritter mit Rüstung, Schwert und  Streithammer.
Bei genaueren Hinsehen ist die Rüstung unvollständig. Zu ihr gehörte auch einmal eine Schamkapsel, die das edelste Teil des Mannes bei einem Kampf schützen sollte. Kein Ritter mit ansehnlicher Ahnenreihe wünschte sich, dass der Stammbaum abbricht. Doch die Königsteiner nahmen Anstoß daran, hielten dieses Teil für unsittlich, worauf sie beschlossen, diesen Schandfleck zu entfernen bzw. abzuklopfen.  Nun ist statt einer Wölbung der Schamkapsel nur mehr eine Mulde zu sehen. So muss Balthasar als entmannter Ritter auf seiner Grabplatte ausharren. Übrigens blieb seine Ehe mit Katharina kinderlos.

Pfrin. Heidi Kurz