Johanniskapelle

Gedicht von Artur Linke

       „Die Kapelle auf dem Berg“

 

Hoch vom Kühberg bei Königstein

schaut die Kapelle ins Tal hinein,

umgeben von Büschen, Fels und Wald,

nun 60 Jahre [aktuell 2017: 90 Jahre] ist sie alt. 

                                                               

Johannes, dem Täufer, zum Gedenken,

wollt`man dieses Kirchlein schenken.

 

Der Kapellenausschuß scheute keine Mühe,

er trug zusammen spät und frühe;

es waren Sachstiftungen und freiwillige Gaben,

die sie damals empfangen haben.

 

Die Namen will ich euch noch sagen,

die diese Spenden zusammengetragen:

 

Müllermeister Pirner Johann;

Taubmann Kaspar schließt sich an;

Strobel Kaspar, auch von hier,

der war damals der Kassier.

König Johann, Zimmermann,

kommt nun noch als letzter dran.

 

Der Helfer gab es damals viel,

den Plan entwarf Professor Will.

Baumeister Taubmann fing alsdann

dieses Werk zu bauen an.

 

Wie mußte man sich damals plagen,

das Material von Hand zu Hand

nach oben tragen.

Ein jeder wollt sein Opfer bringen,

denn dieses Bauwerk sollt gelingen.

 

Das Altarbild spendete zu dieser Zeit

aus Lindelbach Herr Pfarrer Veit –

und Lehrer Glas brachte dann

ein Giebelgemälde auch noch an.

 

Am 2.10.27 war man bereit,

das Kirchlein wurde eingeweiht.

Oberkirchenrat Frieser war gekommen

und hat die Einweihung vorgenommen.

 

Herr Dekan Emmert und Pfarrer Hans Peter Schmidt,

die halfen damals beide mit.

So mußte dieses Werk gelingen

und der Gemeinde Segen bringen.

Den Vorbau zimmerte schlicht und fein

1932 Baumeister Kohl von Breitenstein.

1959 hat man renoviert,

das Bauwerk ganz zu End`geführt.

 

Zwei Stützmauern wurden angelegt,

der Turm mit Kupferblech gedeckt.

 

Herr Pfarrer Müller ordnete an:

im Innenraum sollen Namentafeln dran,

damit man auch, daß ihr es wißt,

die Gefallenen nicht vergißt.

 

So steht das Kirchlein stolz allein,

bei Regen, Sturm und Sonnenschein.

Der Wanderer, der vorüberschreitet,

hier vor dem Herrn sein Herz ausbreitet.

 

Mit Andacht steht er lang und schweigt,

das Haupt herab zur Brust geneigt.

Im Stillen spricht er ein Gebet, Eh`er dann wieder heimwärts geht.

 

Am Abend, wenn des Glöckchens Schall

hernieder klingt ins stille Tal,

wissen dann im Tal die Lieben:

im Krieg ist der Vater, Bruder, Sohn geblieben.

In Andacht faltet man die Hände

und denkt an das Gefall`nen Ende.

 

In das Gebet schließt man mit ein:

Der Herrgott möge gnädig sein –

und erhalten dieses Werk,

die Kapelle auf dem Berg.

 

(Gedicht aus dem Buch: „Von Wegfahrt und Heimat“. Gedichte von Artur Linke, S. 32.)

 

Bildeindrücke: Johanniskapelle

Johanniskapelle

Johanniskapelle

Altarraum

Altarraum